Zum Inhalt springen

Impuls zum Sonntagsevangelium Mk 4, 35-41, 23.06.2024:Warum habt ihr solche Angst?

Es geht nicht darum, alle Stürme und Feuer des Lebens schnell zu löschen. In dem Boot des Evangeliums sitzt nicht die ganze Menschheit, sondern nur der engste Kreis der Jesusjünger und Jesusnachfolger.
Man sieht ein Gewässer von oben, das mehrere Kreise zieht
Datum:
23. Juni 2024
Von:
Friedhelm Wessling
Logo

Impuls zum Sonntagsevangelium 23.06.2024
Mk 4, 35-41

 

Am kommenden Wochenende sind unsere Kommunionkinder unterwegs zu ihrem gemeinsamen Wochenende. Diesmal geht es ins idyllisch gelegene Klostergut Gronau.

Wie so oft schon in Vallendar, steht wohl die biblische Geschichte von Sturm auf dem See wieder auf dem Programm, zumal ein See zu dem Klostergut gehört.

Ja, man kann dieses Sonntagsevangelium toll nachspielen. Mit einer dünnen Abdeckplane, wie man sie bei Malerarbeiten benutzt, lässt sich täuschend echt einen großen Sturm in jeden Raum holen.

Ist es nur ein Spiel, dass Jesus hier mit seinen Jüngern auf dem See Genezareth treibt?
Er schläft scheinbar seelenruhig hinten im Boot, während vorne die Wellen schon ins Boot schlagen. Ist Jesus ein göttlicher Zauberer, der im Nu tobendes Wasser beruhigt?

Was mache ich als Erwachsener mit der Erzählung des Markus, wenn ich meinen Kinderglauben nicht mehr trauen kann?
Bei näheren Hinsehen finde ich Anknüpfungspunkte für meinen Erwachsenenglauben. Ich merke, wie oft ich im Tretboot meines Lebens allein unterwegs bin, ohne den scheinbar schlafenden Gott zu bemerken.

Es geht wohl nicht darum, alle Stürme und Feuer des Lebens schnell zu löschen.
In dem Boot des Evangeliums sitzt nicht die ganze Menschheit, sondern nur der engste Kreis der Jesusjünger und Jesusnachfolger.

Also ist es doch eine sehr intime, interne Geschichte unter Vertrauten oder dem Meister und seinen Auszubildenden.

Sie sind auf dem Boot unterwegs ans andere Ufer. Das andere Ufer bringt ganz Neues. Bin ich bereit, den Alltag, das Übliche zu verlassen, um mich neu von Gott einstellen zu lassen?

Für meinen Erwachsenenglauben ist und bleibt die Frage Jesu an seine Gefährten höchst aktuell: „Warum habt ihr solche Angst?“.

Ja, ich spüre, wie wir als Christen heute viel Angst haben. Wir fahren am liebsten bei ruhiger See und finden keine Antwort auf die Stürme und Winde unserer Zeit.

Wir beklagen uns darüber, dass Frauen nicht von Amtswegen die Ruder der Kirche in die Hand nehmen dürfen und vergessen dabei, dass kein Amtsträger das Schiff am Laufen halten kann. Die Erzählung des Evangeliums ist 2000 Jahre alt, das Geschehen auf dem See mag eine Parabel sein. Auf jeden Fall ist sie auch für uns heute aufgeschrieben!

Gott spielt nicht, er kenn den Ernst der Lage und ist in Rufbereitschaft.

 

Friedhelm Wessling, Gemeindereferent