Das Weinbergsgleichnis des Sonntags ist in seiner Schärfe kaum zu überbieten. Brutal gehen die Pächter eines Weinbergs gegen die Knechte des Gutsbesitzers vor. Den Sohn töten sie. Was im Gleichnis wie ein Krimi mit Mord aus Habgier erscheint, ist im realen Leben, die Wirklichkeit der Tötung Jesu durch die Ältesten und Hohenpriester. Wie konnte es dazu kommen, oder anders gefragt, warum bestimmen Hass, Neid, Gewalt und Unrecht das Handeln von uns Menschen? Gott hat seinen Weinberg, unsere Erde, so angelegt, dass wir genügend Früchte für uns ernten können. Diese Früchte sind nicht nur das tägliche Brot, die beste Gesundheitsvorsorge, oder das scheinbar so wichtige Wirtschaftswachstum. Im Weinberg Gottes wachsen Liebe, Fürsorge, Verständnis, Bereitschaft zu Verzicht und Teilen. Der Weinstock dieser Gaben ist die Verbindung zu Gott. Hier wurzeln wir im Urgrund des Lebens. Hier erkennen wir Christus, das Urbild des gottgebundenen Menschen. Er ist der Eckstein, von dem das Evangelium berichtet. Der Eckstein, ohne den alles ins Wanken kommt. Im Bild des Weinbergs ist er der Weinstock. Wir sind die Winzer. Wir sind die Pächter, denen Gott die Erde anvertraut. Mit unserem Einsatz wachsen Früchte für das Reich Gottes.
Gemeindereferent i.R. Friedhelm Wessling